Programm

POINTS-OF-VIEW

Ausstellung der Künstler Thibault Brunet und Suzan Noesen im Cercle Cité im Rahmen des Luxembourg City Film Festivals

Künstler: Thibault Brunet, Suzan Noesen
Kuratorin: Anouk Wies
Organisation: Cercle Cité
Im Rahmen des Luxembourg City Film Festivals
Ort: Cercle Cité
Öffnungszeiten: vom 14/02/2019 bis zum 17/03/2019: 11-19 Uhr
Eintritt frei

Geführter Rundgang jeden Samstag um 15 Uhr (gebührenfrei)

Ein Point-of-View-Shot ist ein Fachbegriff aus der Filmtheorie und bezeichnet eine Perspektive aus der Sicht der Person, die im Film dargestellt wird. Als Zuschauer nimmt man die Handlung also aus Sicht des Protagonisten wahr.

Die Ausstellung im Cercle Cité zeigt zwei künstlerische Stellungnahmen, die eine sehr persönliche Blickweise auszeichnet. Thibault Brunet und Suzan Noesen behandeln zwar unterschiedliche Themen und auch ihre tech(nolog)ischen Bildverarbeitung weichen voneinander ab und doch gibt es Gemeinsamkeiten in ihrer Herangehensweise.

Die Werke Soleil noir und Libera Pagina! bestehen aus mehreren Schichten, aus Überlagerungen, aus Oberflächen und Transparenzen, aus Tausenden von Punkten (eines Scanners bei T. Brunet) und aus verschiedenen Interpretationsebenen. Für beide Künstler bildet die Videoinstallation das bevorzugte Medium, um die Räume des Cercle Cité zu gestalten. Ihre immersiven Erfahrungen sind vergleichbar mit Bilderfahrungen aus der Filmwelt wie auch mit virtuellen Erlebnissen.

Der Besucher erkundet unterschiedliche Umgebungen, die von seinem alltäglichen Umfeld abweichen. Sie wirken in gewisser Weise zwar vertraut, doch zugleich auch fremdartig, und rücken den Zuschauer in den Mittelpunkt der Installationen. Dabei setzen sie unsere Fantasie in Gang und transportieren uns in eine andere, zeitlose Dimension in einer Art Zwischenwelt.

Wer sich durch diese Installationen wie in einer Terra incognita bewegt, betritt die Sphäre der beiden Künstler und ergänzt ihre narrativen Fragmente und wirklichen Räume durch eigene Lebenserfahrungen und Träume.

Soleil noir - Thibault Brunet
Ton:
 Olivier Schlauberg
"Strates" ("Schichten"): Texte von Fibre Tigre
Computermontage von Alexandre Farailo
Buch: Editions Mille Cailloux

Das Projekt Soleil noir zeigt Territoires Circonscrits, eine fotografische Recherche, inspiriert von den fotografischen Missionen des 20. Jahrhunderts wie z.B. der DATAR in Frankreich oder der FSA (Farm Security Administration) in den USA. Für diese Forschungen machte sich Thibault Brunet auf den Weg entlang der nordfranzösischen Küste mit einem 3D-Scanner, um im 360°-Rundblick die Umgebung festzuhalten und Bilder zu schaffen, die der virtuellen Modellierung ähneln. Indem er Strand- und Klippenlandschaften wie eine virtuelle Realität erscheinen lässt, beabsichtigt der Künstler, mit der Mehrdeutigkeit zu spielen, die dem Status von Bildern innewohnt, und das erzählerische Potenzial dieser mineralischen Welt freizulegen. Die der Realität entfremdete Landschaft wird zum Hauptdarsteller einer nahezu filmischen Komposition. Der von Thibault Brunet benutzte Hochleistungs-Scanner wurde ihm von Leica Geosystems zur Verfügung gestellt. Er speichert den Raum und gibt ihn als lineare Punktwolken wieder. Diese Abbildungen ähneln eher Zeichnungen als Fotografien und lassen die Regeln der Darstellung verschwimmen. Außerdem ist die Landschaft nicht mehr durch den Horizont oder den Bildrahmen begrenzt, sondern erstreckt sich kreisförmig rings um das Gerät und verblasst mit zunehmender Entfernung vom Fotografen, der einen blinden Flecken an seinem Standpunkt hinterlässt. Diese Welt scheint direkt einem Schwarzen Loch entsprungen zu sein. In der Realität bestrahlt die Sonne die sichtbare Welt, doch hier filtert ein Apparat die Realität und macht eine verzerrte und fantastische Sphäre sichtbar. Der Künstler legt somit ein neues Bezugssystem der Darstellung vor, das an die ersten Fotoapparate der Geschichte erinnert, als die umständlichen Geräte den Zugang zum Motiv erschwerten und die Belichtungszeiten lang waren, womit die Einwirkung von Zeit auf Lebewesen und Dinge nachvollziehbar wurde. Brunets Bilder entstanden an der französischen Küste und an der luxemburgischen Grenze, wo die Landschaft wie erstarrt wirkt. Sie sind ein direkter Verweis auf die Malerei der deutschen Romantik, die in den Recherchen des Künstlers wiederholt auftritt.

Produziert vom Cercle Cité in Zusammenarbeit mit Les Rotondes und mit der Unterstützung des Institut Français du Luxembourg.

Für Les Rotondes kreiert Thibault Brunet einen Video-Loop, der am Freitag, den 1. März 2019 erstmals vorgestellt wird und dann im Rahmen des Festivals für digitale Kunst MULTIPLICA bis zum 30. Juni 2019 in der Buvette des Rotondes zu sehen sein wird.

Am 12. Februar um 18.30 Uhr organisiert der Cercle Cité ein Treffen mit Thibault Brunet zum Thema KUNST & VIDEOSPIELE im Auditorium des Cercle Cité. Auf Französisch, Eintritt frei.

Libera Pagina! - Suzan Noesen

Libera Pagina! ist der Name des Multimedia-Projekts der luxemburgischen Künstlerin Suzan Noesen. Ausgangspunkt ist die generationenübergreifende Lebensgemeinschaft der Künstlerin mit ihrer Großmutter in einer Landgemeinde Luxemburgs. Die hier im Cercle Cité präsentierten Werke wurden parallel zu ihrem 2018 produzierten Film Livre d'heures ausgeführt, der in Zusammenarbeit mit dem Casino Luxembourg – Forum d'art contemporain ebenfalls im Rahmen des Luxembourg City Film Festival 2019 präsentiert wird. Suzan Noesens Projekt besteht aus Videoinstallationen, die eine psychische Spurensuche der einstigen Landbevölkerung Luxemburgs unternimmt. Sie behandeln die unterschiedlichen Lebensanschauungen, die sich aus dem Altersunterschied, aber auch aus den kulturbedingten Unterschieden im Leben von Künstlern und Landwirten ergeben. Die Videos werden auf Flächen mit unterschiedlichen Lichtdurchlässigkeiten und Strukturen projiziert, die zudem gegenständliche Motive aus den landwirtschaftlichen Gepflogenheiten Luxemburgs aufweisen. Die Installationen konfrontieren das traditionelle Landleben mit einer zeitgenössischen plastischen Darstellung und hinterfragen dabei die Möglichkeiten einer gemeinschaftlichen Lebensweise, die zu einem neuen gemeinsamen, hybriden Narrativ führen könnte. Parallel zu dem Projekt Libera pagina! drehte Suzan Noesen einen experimentellen Kurzspielfilm. Er zeigt die generationenübergreifende Lebensgemeinschaft mit ihrer Großmutter, die bei der Ausarbeitung des Projekts beteiligt war. Die beiden Frauen verkörpern sich selbst. Die Premiere des Films Livre d'heures findet auf dem Luxembourg City Film Festival 2019 statt. Anschließend wird er in der Blackbox des Casino Forum d'Art Contemporain vom 20.3. bis zum 30.4. 2019 zu sehen sein.

Produziert vom Cercle Cité mit Unterstützung des Fonds stART-up des Nationalen Hilfswerks Großherzogin Charlotte, des Film Fund und des Kulturministeriums.

Cercle Cité | 14/02/2019 > 17/03/2019 | 11:00-19:00

Geführter Rundgang: Samstag 15 Uhr

Eintritt frei

ÖFFNUNGSZEITEN

What's on ?

9. FESTIVALTAG: FREITAG, 15. MÄRZ

Masterclasses und Retrospektiven: ABDERRAHMANE SISSAKO & MIKE LEIGH An diesem Wochenende ehrt das Luxembourg City Film Festival zwei ganz besondere Gäste: Der mauretanische Regisseur, Produzent und Gewinner eines César für... → More

DONNERSTAGSPROGRAMM 14/03

Ein gut gefüllter Abend im Festivalhauptquartier: AFTER-WORK: VERLEIHUNG DES FILMREAKTER-PREISES - angeboten von der Œuvre Nationale de Secours Grande-Duchesse Charlotte. Nachdem die diesjährigen Gewinner des Drehbuchwettbewerbs von Filmreakter verkündet worden... → More

NICHT ZU VERPASSEN AM MONTAG, 11. MÄRZ

Nach dem gestrigen Sturmtief, starten wir etwas ruhiger in die zweite Festivalwoche. Der Ansturm an fantastischen Filmen lässt auch über die nächsten Tage nicht nach, heute Abend geht es gleich... → More