Programm

MACKIE MESSER: BRECHTS DREIGROSCHENFILM

Joachim Lang

Deutschland, Belgien, 2018 / 130 min / Deutsche Originalfassung (DE OF) / Fiction

Realität und Fiktion vermischen sich in dieser Verfilmung von Bertolt Brechts Dreigroschenoper.

Nach dem überragenden Welterfolg von „Die Dreigroschenoper“ will das Kino den gefeierten Autor des Stücks für sich gewinnen. Doch Bertolt Brecht ist nicht bereit, nach den Regeln der Filmindustrie zu spielen. Seine Vorstellung vom Dreigroschenfilm ist radikal, kompromisslos, politisch, pointiert. Er will eine völlig neue Art von Film machen und weiß, dass die Produktionsfirma sich niemals darauf einlassen wird. Ihr geht es nur um den Erfolg an der Kasse. Während vor den Augen des Autors in seiner Filmversion der Dreigroschenoper der Kampf des Londoner Gangsters Mackie Messer mit dem Kopf der Bettelmafia Peachum Form anzunehmen beginnt, sucht Brecht die öffentliche Auseinandersetzung. Er bringt die Produktionsfirma vor Gericht, um zu beweisen, dass die Geldinteressen sich gegen sein Recht als Autor durchsetzen. Ein Dichter inszeniert die Wirklichkeit – das hat es noch nie gegeben!

„Joachim Lang folgt mit seinem Spielfilm Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm der realen Entstehungsgeschichte einer von Brecht geplanten Verfilmung der Dreigroschenoper. In interessanter Wechselwirkung von Theaterstück, geplanter Verfilmung und sowohl zeitgenössischer wie auch zeitloser Gesellschaftskritik führt er seinen Zuschauern unversehens die Grundzüge von Brechts epischem Theaters vor Augen.“ Deutsche Film- und Medienbewertung

 

„Der zwischen Fakten und Fiktion, Werk und Kommentar changierende Film bietet intellektuelles Dauerfeuer für Brechtkenner, ein spielfreudiges Darsteller-Ensemble und alle Weill-Hits, aber auch unmissverständlichen Aktualisierungen des Stoffes in Richtung Finanzkapital und amtierendem US-Präsidenten.“ Ulrich Kriest, Filmdienst, September 2018

„Am Anfang von Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm gibt es eine Einblendung mit dem Hinweis, dass alles, was Lars Eidinger als Brecht im Film sagt, auf gesicherten Zitaten aus dessen Leben und Werk beruht. Das passt zu dem (zu) durchdachten Konzept des Films: Für ausgewiesene Kenner des brechtschen Schaffens ergeben sich so manch reizvolle Querverweise“ Andreas Staben, Filmstarts.de, 2018

Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm ist indes mehr als der Versuch einer Rekonstruktion oder eines Reenactments – letztlich ist es ein Kinoessay über Formen und Bedingungen von Kunstproduktion. […] Das alles berührt überzeitliche Fragen von wahrhaftigem Kunstwollen, Künstlerautonomie und den Aufgaben von Kunst – und natürlich auch Fragen einer Überführung von literarischen oder theatralen Vorlagen ins Medium Film. Wobei Brechts Kunsttheorie und der legendäre Verfremdungseffekt organisch in die Inszenierung eingeschlossen ist. Alles, was Brecht im Film sagt, beruht auf Zitaten aus dessen Werk und Leben. […] Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm ist eine fiebrige Tour de Force – ein Film, der die »Dreigroschenoper« bis in den Finanzkapitalismus unserer Gegenwart hinein verlängert und dessen Aktualität hinsichtlich des damals aufkommenden Faschismus schon fast beklemmend wirkt. Es ist eine Regiearbeit, die das Publikum ebenso irritieren wie verblüffen dürfte – und ungeheuer reich beschenkt.“ Anke Westphal, epd-Film, 24/08/2018

„Dabei erfordern 136 Minuten gar kein außergewöhnliches Sitzfleisch. Lang gönnt seinen Zuschauern nur wenige Minuten, um Atem zu schöpfen. Zumindest für Nichtbrechtianer strotzt der Film vor Informationen aus Leben und Wirken Bertold Brechts. Lang arbeitet mit ineinandergreifenden Rahmenhandlungen. Dabei wechseln sich zeitgenössisches Kolorit, harte Gesellschaftskritik und Hintergründe der (Nicht-)Verfilmung mit den frechen Tönen und Szenen der Dreigroschenoper ab. Aber irgendwie gehört ja auch alles zusammen. Das alles muss natürlich wirken. Der Jury ist es erst in der Filmdiskussion komplett gelungen, die einzelnen Handlungsfäden zu verknüpfen und die Klugheit von Langs Filmprojekt zu erkennen. […] Raffiniert arrangiert Lang die Handlungsebenen, bricht inszenatorisch mit der gängigen, raumzeitlich-chronologischen Darstellung und überrascht mit der Durchdringung von Stück, zeitgenössischem Hintergrund, Gesellschaftskritik und natürlich Brechts Arbeiten an der Verfilmung der Dreigroschenoper. Auflockerung findet seine Dramaturgie in den, musikalisch noch immer gut funktionierenden, Kurt Weill-Titeln aus der Dreigroschenoper. […] Mit Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm hat Regisseur Joachim Lang eine filmische Herausforderung an die Zuschauer geschaffen. Ganz im Sinne Brechts ist es eine noch immer gültige, profunde Kritik an den bestehenden Herrschaftsverhältnissen geworden, aber auch eine Hommage an Brecht und eines seiner bekanntesten Werke. Man muss sich einfach nur die Zeit nehmen, sich wirklich darauf einzulassen. Prädikat besonders wertvoll.“ Deutsche Film- und Medienbewertung

„Das opulente Drama des Regisseurs Joachim A. Lang schildert Bertolt Brechts Ringen um eine Verfilmung der Dreigroschenoper nach seinen Vorstellungen und lässt diese zugleich Gestalt annehmen. Die aufwändige Inszenierung mit ihren Musicalelementen und der stilvollen Ausstattung erweist sich als Genuss. Sie stimmt ein ehrgeiziges Loblied auf den Künstler Brecht und seine Kapitalismuskritik an. Diese wirkt, wie der satirische Ton der Dreigroschenoper und ihrer radikalen Filmversion, frisch, unverbraucht und verblüffend aktuell.“ Bianka Piringer, Spielfilm, 2018

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Cast & Credits
Darsteller 
Lars Eidinger, Tobias Moretti, Hannah Herzsprung, Joachim Król, Claudia Michelsen, Britta Hammelstein, Robert Stadlober, Peri Baumeister, Christian Redl
Drehbuch 
Joachim Lang, nach „Die Dreigroschenoper“ von Bertolt Brecht & Kurt Weill, „Die Beule – Ein Dreigroschenfilm“, „Dreigroschenroman“, „Der Dreigroschenprozeß – Ein soziologisches Experiment“ und anderen Texten von Bertolt Brecht
Kamera 
David Slama
Ton 
Harald Ansorge, Noemi Hampel
Szenerie 
Benedikt Herforth
Musik 
Walter Mair, Kurt Schwertsik
Produktion 
Zeitsprung Pictures
Koproduktion 
Velvet Films
Verleih 
Zeitsprung Pictures
Biografie

Joachim Lang wurde 1959 in Spraitbach geboren. Der Theaterautor, Produzent und Dokumentarfilmer schrieb seine Dissertation über die Verfilmung von Brechts epischem Theater, insbesondere der „Dreigroschenoper". Er war acht Jahre lang Künstlerischer Leiter des Brechtfestivals in Ausgburg und realisierte eine Vielzahl von Projekten und Filmen über den Dichter. Lang ist Mitglied der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste und Professor an der Filmakademie Baden-Württemberg. Als Drehbuchautor und Regisseur zeichnet er sich für zahlreiche Spiel- und Dokumentarfilme verantwortlich, unter anderem: George (2013), ein Biopic über Götz George, Brecht – Die Kunst zu leben (2006) und Jud Süß – Ein Film als Verbrechen? (2001), welche in Deutschland und international mit Preisen ausgezeichnet werden. Zurzeit arbeitet Lang im SWR als Ressortleiter sowie als Autor und Regisseur.

Filmografie
  • 2018 – Mackie Messer: Brechts Dreigroschenfilm
  • 2013 – George (Dokumentarfilm)
  • 2011 – Da, wo ich bin, ist Panama - Die Lebensreise des Herrn Janosch (Dokumentarfilm)
  • 2006 – Brecht - Die Kunst zu leben (Dokumentarfilm)
  • 1997 – Un siècle d'écrivains : Bertolt Brecht (1 Folge der Dokumentarfernsehserie)