Programm

HOTEL RUANDA

Terry George

Vereinigtes Königreich, Südafrika, Italien, 2004 / 121 min / Englische Originalfassung mit deutschen oder französischen Untertiteln / Drama

Journée de la Mémoire 2019
CNA - Centre National de l'Audiovisuel

Ruanda im April 1994. Nachdem der rwandische Staatschef beim Abschuss seiner Präsidentenmaschine ums Leben kommt, verfällt das Land ins Chaos: Die ruandische Armee und extremistische Hutu-Milizen ermorden Oppositionelle und Mitglieder der Minorität der Tutsi, schnell finden im ganzen Land Massaker statt. Paul Rusesabagina, der Manager eines Fünf-Sterne-Hotels in Kigali, ist entsetzt. Als mit einer Tutsi verheirateter Hutu will er seine Familie um jeden Preis schützen. Bald erkennt er, dass die internationale Gemeinschaft nicht einschreiten wird um den Völkermord zu verhindern, und er kann nicht länger tatenlos zusehen. Paul öffnet sein Hotel und macht es zu einem Zufluchtsort für Verfolgte. Hunderte von Menschen strömen ins Hotel und nur Pauls Charme, Schmeicheleien und Gerissenheit können sie vor dem sicheren Tod durch die sich vor den Hotelpforten sammelnden fanatischen Milizionäre bewahren.

Die Geschichte von Paul die der Dramaturgie von Schindlers Liste gleicht, ist die starke Seite des Films. Vor allem dem Hauptdarsteller Don Cheadle ist es zu verdanken, dass der Kampf dieses Mannes um das Überleben seiner Familie und die Würde seines Landes im Zentrum des Films überzeugend wirkt. Und auch sein Gegenüber, der UN-Offizier gespielt von Nick Nolte, gibt sich Mühe zornig und verschämt die Ehre des Westens zu retten.“ FAZ, 06/04/2005

 

„Paul Rusesabagina ist höchstwahrscheinlich die Rolle seines Lebens für Don Cheadle, der auf wunderbare Weise gleichzeitig vor und hinter seiner Fassade zu stehen scheint, zugleich gefasst und verzweifelt.“ Hanns-Georg Rodek, Die Welt, 11/02/2005

 

„Ein ebenso unpathetischer wie bewegender Spielfilm bringt einen Völkermord in Zentralafrika in Erinnerung, den die Welt gern vergessen hätte. […] Hotel Ruanda ist nicht der erste Film, der den Blick zurück auf den Völkermord in Ruanda richtet, und wird nicht der letzte bleiben. Er ist - sorgfältig, selbstbewusst und solid - ein Film nach amerikanischer Machart (und das nicht nur, weil er das frankophone Ruanda in ein englischsprachiges Land verwandelt): Er verzichtet auf Gräuel- und Schockbilder, doch er erzählt aufdringlich emotional; er stellt - wie das naheliegende große Vorbild Schindlers Liste - die beispielhafte Courage und Opferbereitschaft eines Einzelnen in den Mittelpunkt und macht den glücklichen Ausnahmefall zum Thema, die Rettung, die Erlösung. Er feiert die Überlebenden, um an die Toten zu erinnern; anders gäbe es den Film nicht: Er wirkt so stark, weil man beim Sehen so sehr wünscht, das alles wäre in Wirklichkeit nie geschehen.“ Urs Jenny, Der Spiegel, 04/04/2005

 

„Einen Völkermord im Kino darzustellen, ist eine Unmöglichkeit – doch Regisseur Terry George gelingt es in seinem redlichen Spielfilm über Pauls Geschichte zumindest, den Mainstream-Anforderungen an Dramatik und Happy End gerecht zu werden, ohne seinen Helden und die Menschen, die er rettete, zu verraten. […] Terry George […] hält sich weder mit dem Versagen des Westens noch mit einem spekulativen Warum der Gräuel lange auf. In seiner psychologisch dichten Inszenierung braucht er zudem nur wenige Streiflichter auf den Blutrausch außerhalb der Hotelanlage, um eine Atmosphäre totalen, wahnhaften Terrors zu erzeugen.“ Birgit Roschy, epd Film, 01/04/2005
 

Awards
  • People’s Choice Award, Toronto International Film Festival, 2004 (Canada)
  • NBR Award Top Ten Films, National Board of Review, 2004 (USA)
  • AAFCA Award for the Top 10 Films, African-American Film Critics Association, 2004 (USA)
  • Audience Award for Best Feature Film, AFI Fest, 2004 (USA)
  • Golden Satellite Award for the Best Actor in a Motion Picture – Drama for Don Cheadle, Satellite Awards, 2005 (USA)
  • Golden Satellite Award for the Best Original Song, Satellite Awards, 2005 (USA)
  • PFS Award – Human Rights, Political Film Society, 2005 (USA)
  • Stanley Kramer award, PGA Awards, 2005 (USA)
  • IFTA Award for Best Script for Film, Irish Film and Television Awards, 2005 (Ireland)
  • IFTA Award for Best Director, Irish Film and Television Awards, 2005 (Ireland)
  • IFC Award for the Best Movie Yet to Open in Iowa, Iowa Film Critics Awards, 2005 (USA)
  • Humanitas Prize in the Feature Film Category, Humanitas Prize, 2005 (USA)
  • European Film Award for the Best European Composter for Rupert Gregson-Williams, Andrea Guerra, European Film Awards, 2005 (Germany)
  • Black Reel for the Best Actress in a Drama for Sophie Okonedo, Black Reel Awards, 2005 (USA)
Cast & Credits
Darsteller 
Don Cheadle, Xolani Mali, Desmond Dube, Hakeem Kae-Kazim, Tony Kgoroge, Rosie Motene, Neil McCarthy, Mabutho ‘Kid‘ Sithole, Nick Nolte, Fana Mokoena, Jeremiah Ndlovu, Sophie Okonedo, Lebo Mashile, Antonio David Lyons, Leleti Khumalo, David O’Hara, Joaquin
Drehbuch 
Keir Pearson, Terry George
Kamera 
Robert Fraisse
Ton 
Nigel Mills, Emily Reynolds
Szenerie 
Johnny Breedt, Tony Burrough
Musik 
Afro Celt Sound System, Rupert Gregson-Williams, Andrea Guerra
Produktion 
United Artists, Lionsgate, Industrial Development Corporation of South Africa, Miracle Pictures, Inside Track Films, Mikado Film, Endgame Entertainment
Verleih 
Tobis Film GmbH / Entertainment One
Biografie

Terry George ist ein 1952 in Belfast geborener nordirischer Drehbuchautor und Regisseur der seit 1981 in New York lebt. In den 70er Jahren war er im berüchtigten Long Kesh Gefängnis in Nordirland interniert da man ihn paramilitärischer, republikanischer Aktivitäten bezichtigte. Vor diesem Hintergrund ist die starke Präsenz der „Troubles“ in seinem filmischen Werk zu sehen, eine Thematik die er vor allem in Im Namen des Vaters (1993 – Co-Regie) Mütter & Söhne (1996), Der Boxer (1997 – Drehbuch) aufgreift. Seine Arbeit an Im Namen des Vaters und Hotel Ruanda (2004) brachte ihm zwei Academy Award-Nominierungen ein, für The Shore (2011) und seinem erneuten Fokus auf den Nordirlandkonflikt gewann er schließlich den Oscar für den besten Kurzfilm. Nach Hotel Ruanda beschäftigte er sich mit dem im Armenien der 1915er Jahre angesiedelten The Promise – Die Erinnerung bleibt (2016) filmisch erneut mit einem Völkermord.

Filmografie
  • 2016 – The Promise
  • 2012 – Luck (eine Folge der Fernsehserie)
  • 2011 – Stand Off
  • 2011 – The Shore (Kurzfilm)
  • 2010 – Outlaw (eine Folge der Fernsehserie)
  • 2009 – In Treatment (drei Folgen der Fernsehserie)
  • 2007 – Reservation Road
  • 2004 – Hotel Rwanda
  • 2000 – The District (drei Folgen der Fernsehserie)
  • 1998 – A Bright Shining Lie
  • 1996 – Some Mother’s Son
  • 1993 – In the Name of the Father (Co-Regisseur)