Programm

Les sauteurs - Those Who Jump

Moritz Siebert, Estephan Wagner, Abou Bakar Sidibé

Dänemark, 2016 / 82 min / Französische und Bambara Originalfassung mit französischen Untertiteln / Dokumentarfilm

Ciné-ONU
Ciné-ONU, zusammen mit dem Kurzfilm „Dem Dem“ (OF)

Die Hoffnung auf einen glücklichen „Sprung“ in eine neue Heimat.

Vom Berg Gurugu im Norden Marokkos blickt man auf die spanische Enklave Melilla. Afrika und Europa werden hier durch eine hochgesicherte Grenzanlage, bestehend aus drei Zäunen, voneinander getrennt. In den Wäldern des Bergausläufers leben Geflüchtete, meist aus der Subsahara-Region, die der Verfolgung oder der Armut in ihren Heimatländern entflohen sind. So auch der Malier Abou Bakar Sidibé, der von den Filmemachern mit einer Kamera ausgerüstet wurde und zugleich Protagonist und Dokumentierender ist. Nach 14 Monaten im informellen Camp und mehreren gescheiterten Versuchen, das Zaunsystem zu überwinden, beginnt Abou zu filmen – seinen Alltag, die Umgebung, das zermürbende Warten auf den nächsten "Sprung".

In „Les Sauteurs – Those Who Jump“ findet ein einzigartiger Perspektivenwechsel statt: Dem abstrakt anonymen Wärmebild der Überwachungskamera wird der subjektive Blick eines Individuums entgegengesetzt. Der Film zeichnet ein intimes Bild einer Gesellschaft unter extremen Umständen und dokumentiert die  Lebensrealität am Rande einer abgeschotteten EU.

 

LABEL Ciné-UNO

Ciné-ONU richtet monatliche Gratis-Vorführungen von Dokumentarfilmen aus, die Themen der Arbeit der UNO aufgreifen. Nach jeder Vorführung findet eine Debatte sowie Frage-Antwort-Runde mit Experten statt. Zum ersten Mal vor fast 10 Jahren in Brüssel vom Regionalen Informationszentrum der Vereinten Nationen für Westeuropa organisiert, werden diese Filmvorführungen heute regelmäßig in immer mehr europäischen Ländern angeboten. Das Luxembourg City Film Festival unterstützt diese Initiative zum zweiten Mal.

 

Vor der Vorführung von „Those Who Jump“ wird Pape Bouname Lopys, Marc Recchias und Christophe Rolins Kurzfilm „Dem Dem“ gezeigt werden.

An einem normalen Arbeitstag entdeckt der Fischer Matar einen mysteriösen Beutel an einem Strand in Dakar. Als er ihn öffnet, findet er den Pass eines Belgiers mit afrikanischen Wurzeln. Er fängt an davon zu träumen, wie der unbekannte Mann auszusehen. Tage vergehen, Matars Äußeres ändert sich und wird immer rätselhafter für Matars Frau Nafi. Auf einem Spaziergang begegnet er dem verrückten, die Wolken vermessenden Medizinmann N'Zibou, den er über seine Identität ausfragt. Doch dann verschwindet Matar eines Tages.

Dauer: 30 Minuten

Vorstellungen

„Vieles hiervon weiß man, irgendwie. Wie gut und wichtig ist es da, dass ein Film wie „Les Sauteurs - Those Who Jump“ entstanden ist. Denn er rückt einem die Perspektive zurecht, kehrt die Blickrichtung um, macht verdammt klar, wer hier schwach und wer stark ist. (…) Es entsteht ein hybrider Film: Der „Gegenstand“ einer Dokumentation wird zu ihrem echten „Subjekt“; jemand, der sonst höchstens betrachtet wird, wird zum Gestalter seiner eigenen Repräsentation. (…) Und so sehen wir, wie aus einem Flüchtling auch ein Filmemacher wird, der eine Vorstellung entwickelt dafür, wie etwas im Bild aussieht und rüberkommt. Der sehr bald auch schon ein instinktives Gespür hat für Momente, die ins Bild zu bannen ihm dringliches Anliegen sind, weil es ihn, so sagt er, „spüren lässt, dass ich existiere“.“ Kirsten Rießelmann, Spiegel Online, 18/11/2016

„Den Dokumentarfilmern Moritz Siebert und Estephan Wagner gelingt es, zusammen mit ihrem Co-Regisseur Abou Bakar Sidibé, ein lebendiges Gegenbild zu den nur flüchtig wahrgenommenen, standardisierten Nachrichtenmeldungen über die Situation am Rande Europas in Melilla zu schaffen. Die Lichtpunkte der Überwachungskameras und die Menschenmassen in den Zeitungsbildern werden in „Les Sauteurs – Those Who Jump“ zu ausharrenden Individuen mit der Hoffnung auf einen glücklichen Sprung in eine neue Heimat und ein perspektivenreicheres Leben.“ Ulf Lepelmeier, Die Zeit, 15/11/2016

+16
Awards
  • Winner Ecumenical Jury Award – Berlin International Film Festival, 2016 (Germany)
  • Harrell Award for Best Documentary Feature, Special Mention – Camden International Film Festival, 2016 (UK)
  • Amnesty International Award – 13th Millennium Docs Against Gravity Film Festival, 2016 (Poland)
  • International Feature Award – Lichter Filmfest Frankfurt International, 2016 (Germany)
  • Tasca D’Almerita Award & Best Editing Award – SalinaDocFest Festival del documentario narrativo, 2016 (Italy)
Cast & Credits
Darsteller 
Abou Bakar Sidibé
Drehbuch 
Moritz Siebert, Estephan Wagner
Kamera 
Abou Bakar Sidibé, Juan Palacios Garcia, Jesús Blasco de Avellaneda
Ton 
Henrik Gamov
Produktion 
Final Cut for Real
Verleih 
Wide House
Biografie

Moritz Siebert befasst sich seit 15 Jahren mit Migrationsthemen und studierte zusammen mit Estephan Wagner Dokumentarfilmregie an der National Film and Television School in England. „Les Sauteurs“ ist Wagners erster Langspielfilm. Als Regisseur und Cutter hat er bereits mehrere Preise auf internationalen Festivals gewonnen. Der Malier Abou Bakar Sidibé hat einen Uni-Abschluss in Englisch und arbeitete als Lehrer, Bauarbeiter, Handyverkäufer und Geldbote zwischen marokkanischen Western-Union-Filialen und den Flüchtlingen am Gurugu-Berg. 

Filmografie
  • Moritz Siebert
  • 2016 - Les Sauteurs - Those Who Jump (Dokumentarfilm)
  • 2014 - Erntehelfer (Dokumentarfilm)
  • 2009 - Long Distance (Dokumentarfilm)
  • 2008 - My Name Is Karl (Dokumentarfilm)
  • 2008 - Anne and Gail (Dokumentarfilm)
  • 2005 - Belgrad Backspin (Dokumentarfilm)
  • 2002 - Rapstars (Dokumentarfilm)
  • Estephan Wagner
  • 2016 - Les Sauteurs - Those Who Jump (Dokumentarfilm)
  • 2013 - Sidste Drømme (Dokumentarfilm)
  • 2011 - Vanishing Worlds (Dokumentarfilm)
  • 2009 - The Finishing Line (Dokumentarfilm)
  • 2008 - Waiting for Women (Dokumentarfilm)
  • 2008 - Ease My Pain (Dokumentarfilm)
  • Abou Bakar Sidibé
  • 2016 - Les Sauteurs - Those Who Jump (Dokumentarfilm)