Programm

ZUG DES LEBENS (TRAIN DE VIE)

Radu Mihăileanu

Frankreich, Rumänien, Israel, Belgien, Niederlande, 1998 / 103 min / Deutsche Fassung / Komödie, Drama, Historienfilm

Internationaler Gedenktag an die Opfer des Holocaust 2020
Rufus

Eine osteuropäische, jüdische Dorfgemeinschaft entschließt sich den vorrückenden Deutschen mit Hilfe eines gefälschten Deportationszuges zu entkommen.

In einem kleinen jüdischen Schtetl, irgendwo im Osteuropa des Jahres 1941, kehrt der Dorfnarr Schlomo mit der erschreckenden Nachricht heim, dass die deutsche Armee auf ihrem Vormarsch alle jüdischen Dörfer in der Umgebung der Zerstörung freigibt und die Einwohner ermordet oder deportiert. Dem Rat der Weisen unterbreitet Schlomo den kühnen Vorschlag, das komplette Schtetl eigenhändig mit Hilfe eines gefälschten Deportationszuges umzusiedeln. Nach dem Kauf eines passenden Zuges, spielen die Dorfbewohner Deportierte, Zugpersonal und deutsche Bewacher in Wehrmachtsuniformen und brechen in eine ungewisse Zukunft auf. Auf ihrem Weg, der sie zunächst hinter die Front und dann über Russland ins gelobte Land führen soll, drohen dem Zug nicht nur Gefahren von Seiten der Deutschen und Partisanengruppen, sondern es kommt auch zur Spaltung im Inneren und Konflikten zwischen den autoritären Soldatendarstellern und den Deportierten, in deren Reihen sich eine militante Kommunistengruppe bildet.

 

Im Anschluss an die Filmvorstellung findet ein Gespräch mit einem der Hauptdarsteller des Films, Rufus, und Yves Steichen vom Centre national de l’audiovisuel (CNA), sowie einem Vertreter des Zentrum fir politesch Bildung statt.

Vorstellungen

“Roberto Begninis Das Leben ist schön hat die Richtung vorgegeben, Zug des Lebens geht noch einen Schritt weiter: Ein Film über die Shoah und gleichzeitig ein Film voller Slapstick, Situationskomik und absurden Humors. Darf über dieses ernste Thema denn gelacht werden? Regisseur Radu Mihăileanu, selbst Jude, meint dazu: "Es ist Zeit, in einem neuen Stil über die Shoah zu sprechen. Viele haben vor allem den Tod gezeigt. Ich zeige das Leben, das da getötet wurde" und weiter, "Jüdischer Humor ist nie zynisch. Er wahrt immer die Würde derer, über die man lacht. […] Train de vie bezieht den Großteil seiner Komik aus dem Blick auf die menschlichen Schwächen. […] Es gibt viele Filme, welche die Faszination unmenschlicher Massenmörder ausnutzen. Train de vie stellt die Opfer in den Mittelpunkt. Und er zeigt sie nicht beim Sterben sondern beim Leben, das banal sein kann, lächerlich oder tadelnswert. Das Grauen kann nicht ausgespart werden, aber es wird, vorläufig, zurückgestellt. Das Lachen und Leben haben Vorrang, der Schrecken kommt früh genug. Train de vie ist ein Film, dem es gelingt, mit kleinen Mitteln große Emotionen hervorzurufen. Kein perfekter Film, aber ein wichtiger.“ Film.at

Awards
  • David for the Best Foreign Film, David di Donatello Awards, 1999 (Italy)
  • Audience Award – Most Popular Feature, Hamptons International Film Festival, 1999 (USA)
  • European Silver Ribbon, Italian National Syndicate of Film Journalists, 1999 (Italy)
  • Audience Award, Miami Film Festival, 1999 (USA)
  • Audience Award – World Cinema, Sundance Film Festival, 1999 (USA)
  • Audience Award, Film Festival Cottbus – Festival of Eastern European Cinema, 1998 (Germany)
  • Critics Award, São Paolo International Film Festival, 1998 (Brazil)
  • Audience Award – Best Feature, São Paolo International Film Festival, 1998 (Brazil)
  • FIPRESCI Prize – Best First Work, Venice Film Festival, 1998 (Italy)
  • Anicaflash Prize, Venice Film Festival, 1998 (Italy)
Cast & Credits
Darsteller 
Lionel Abelanski, Rufus, Clément Harari, Bruno Abraham-Kremer, Agathe de La Fontaine, Johan Leysen, Marie-José Nat, Gad Elmaleh, Serge Kribus, Rodica Sanda Ţuţuianu, Michel Muller
Drehbuch 
Radu Mihăileanu
Kamera 
Yorgos Arvanitis, Laurent Dailland
Ton 
Pierre Escoffier, Eric DeVos, Dominique Dalmasso
Szenerie 
Christian Niculescu
Musik 
Goran Bregović
Produktion 
Noé Productions, Raphaël Films, Belfilms, Hungry Eye Lowland Pictures, PolyGram Audiovisuel, Sofinergie 4
Verleih 
Tiberius Film
Biografie

Radu Mihăileanu ist ein 1958 in Rumänien geborener französisch-rumänischer Regisseur und Drehbuchautor. Zu Beginn seiner Karriere arbeitet er als Schauspieler am Jiddischen Theater in Bukarest und als Leiter einer Theatertruppe. 1980, noch unter dem Ceaușescu-Regime, kann er nach Frankreich auswandern wo er sich an der Filmhochschule Institut des Hautes Études Cinématographiques (IDHEC) einschreibt. Nach seinem Studienabschluss beginnt er ein Praktikum als Editor, bis dass er den Filmemacher Marco Ferreri kennenlernt der ihn als seinen Assistenten für I Love You (1986) engagiert. Im Anschluss dreht Radu Mihăileanu einige Kurz- und Fernsehfilme und arbeitet als Regieassistent und Co-Autor für mehrere bekannte Regisseure. Nach einem kurzen Ausflug in die Welt der Musikvideos, führt er 1993 bei Trahir Regie, seinem ersten abendfüllenden Spielfilm über einen rumänischen Poeten der in die Fänge der Securitate gerät. Zug des Lebens (1998), sein zweiter Spielfilm, gewinnt 1998 den FIPRESCI-Preis für das beste Werk eines Nachwuchsregisseurs, sowie 1999 den Publikumspreis der Sektion World Cinema beim Sundance Film Festival. 2011 feiert sein fünfter Spielfilm Quelle der Frauen seine Premiere im offiziellen Wettbewerb der Filmfestspiele von Cannes.

Filmografie
  • 2016 – L’histoire de l’amour
  • 2011 – La source des femmes
  • 2009 – Le concert
  • 2005 – Va, vis et deviens
  • 2002 – Les pygmées de Carlo
  • 1998 – Train de vie
  • 1997 – Bonjour Antoine
  • 1993 – Trahir
  • 1989 – Le mensonge d’un clochard (Kurzfilm)
  • 1980 – Les quatre saison (Kurzfilm)